Willkommen hier vorm Tharandter Wald  
 
  Geographie, Geschichte, Geologie 19.09.2019 12:36 (UTC)
   
 
Landschaftlich ist der Tharandter Wald nicht eindeutig zuzuordnen, in der Liste der Landschaften in Sachsen wird er zum Osterzgebirge gezählt, kann aber auch auf Grund seiner Höhenlage von rund und im Tal der Wilden Weißeritz bis 359 m NN nordwestlich von Klingenberg-Colmnitz zum nordöstlichen Teil des Erzgebirgsvorlandes gerechnet werden. Im Nordosten, am Zusammenfluss von Wilder Weißeritz und Schloitzbach, liegt die Stadt Tharandt. Zu ihr gehört auch der Kurort Hartha nördlich des Waldes. Im Nordwesten liegt der Ort Mohorn mit dem Ortsteil Grund (am Fuße des Landberges), wo Räucherkerzen produziert werden. Durch diesen Ortsteil fließt die im Tharandter Wald entspringende Triebisch, die bei Meißen in die Elbe mündet. Im Südwesten liegt Niederschöna und weiter südlich schließt sich am Rande des Waldes Naundorf an. Das weiter südöstlich gelegene Klingenberg-Colmnitz ist eine Bahnhofssiedlung an der Sachsen-Franken-Magistrale. Der Bahnhof war einst wichtiger Knotenpunkt von Schmalspurbahnen und wird oft in Modellbahnanlagen nachgebaut. Südöstlich befindet sich eine Trinkwassertalsperre, die Talsperre Klingenberg, die auch Dresden versorgt. Dorfhain und Höckendorf mit dem Ortsteil Edle Krone sind altes Bergbaugebiet. Kurz vor Edle Krone führt die Sachsen-Franken-Magistrale der Bahn aus dem Seerenbachtal in das Weißeritztal, die Strecke und der Ort wurden vom Elbehochwasser 2002 schwer betroffen. Diese Magistrale begrenzt den Tharandter Wald im Süden fast vollständig. Geschichte: Im 12. Jahrhundert bestand für kurze Zeit im Zentrum des Waldes der Ort Warnsdorf an der wasserreichen Warnsdorfer Quelle der Triebisch. Im benachbarten, nach wie vor völlig von dem Wald umgebenen Ort Grillenburg fand man die Grundmauern eines Pilgerhospizes aus der gleichen Zeit. Durch den Tharandter Wald führte ein alter Pilgerweg, der Fürsten- oder Herrenweg. Während der Frühe Neuzeit diente der Wald der Jagd des Fürsten (Jagdschloss Grillenburg) und der Holz- und Holzkohlegewinnung (Köhlerei) für den Bergbau. Anfang des 18. Jahrhunderts befand sich im Tharandter Wald, im Tännichtgrund bei Naundorf, der Unterschlupf des in ganz Sachsen berüchtigten Räubers Lips Tullian und seiner Schwarzen Garde. Um 1800 war das Waldgebiet völlig heruntergewirtschaftet und wurde von Johann Heinrich Cotta nach wissenschaftlichen Grundsätzen wiederhergestellt. Dabei diente der Tharandter Wald als Modellfall der durch die Holznot geborenen nachhaltigen Forstwirtschaft. Es erfolgte die Gründung der Forsthochschule und des Forstbotanischen Gartens in Tharandt. Vom 18. Jahrhundert an diente er auch der Erholung bürgerlicher Familien vor allem aus Dresden. Zur Zeit des Nationalsozialismus wählte Sachsens Gauleiter Martin Mutschmann Grillenburg zu seinem Jagdsitz. Sein Jagdhaus wurde in der DDR-Zeit Genesungsheim für so genannte Opfer des Faschismus. Der gesamte Wald war ein Naherholungsgebiet und wurde von vielen Helfern des Kulturbunds mit Wegweisern ausgeschildert,
außerdem wurde ein Naturlehrpfad angelegt. Heute versucht man, neben den Wanderern aus Dresden auch verstärkt auswärtige Gäste zu gewinnen. Naturraum Tharandter Wald: Der Tharandter Wald, der in einem alten vulkanischen Kessel - einer Caldera - liegt, hat eine submontane Höhenlage mit starken Klimaunterschieden und größtenteils kargen, sauren Böden. Er ist daher nur für die Forstwirtschaft nutzbar, wobei derzeit noch der Fichtenwald überwiegt, ein Mischwald jedoch zum Beispiel durch Unterbau der Fichtenbestände mit Eichen- und Buchensetzlingen angestrebt wird. Für die Tharandter Forststudenten dient der Wald als grüner Hörsaal mit zahlreichen forstbotanischen Reizen und guten Wandermöglichkeiten, welche ihn auch als Naherholungsgebiet des gesamten mittelsächsischen Raumes auszeichnen. Er dient jedoch auch für die Studenten der nahen Bergakademie Freiberg und der TU Dresden als ein beliebtes Exkursionsziel. Einen besonderen Ruf hat der Tharandter Wald als "Quadratmeile" der Geologen, da sich hier im unmittelbarer Umgebung gute Aufschlüsse aller Hauptgesteinstypen finden lassen. Im südöstlichen Teil des Waldes nördlich des Markgrafensteines befindet sich für Forschungszwecke ein immisionsökologisches Prüffeld, dessen Entstehen auf das Auftreten von Rauchschäden insbesondere durch die Rauchgasemission des Freiberger Bergbau- und Hüttenreviers und durch die Inbetriebnahme der Halsbrücker Esse zurückzuführen ist.
Etwa 1,5 km östlich von Naundorf und etwa 4,5 km südwestlich von Grillenburg befindet sich der geografische Mittelpunkt von Sachsen in der so genannten "Diebskammer". Zu erwähnen ist ferner der Seerenteich am südlichen Rand des Tharandter Walds, welcher durch seine türkisfarbene Färbung beeindruckt. Geologie: Der Tharandter Wald ist in vereinfachter Form durch drei Komponenten geprägt. Am Anfang stand der Einbruch eines vorzeitlichen Vulkans und somit die Bildung einer Caldera. Hierauf folgte eine lange Zeit sedimentärer Ablagerungen und schließlich auch ein junger Vulkanismus. Auf dem Porphyrlehrpfad rund um Mohorn kann man geologische Aufschlüsse betrachten. Niederschöna ist für seine Niederschönaer Schichten bekannt. An der Westwand des Ascherhübels, am so genannten Hexenhäusl, zeigen sich imposante Säulen aus Nephelinit (Phänobasalt), welche von einer vertikalen Lagerung nach außen hin langsam in eine horizontale Lagerung übergehen. Es handelt sich hierbei um einen Magmendom aus der Zeit des Jungtertiärs vor etwa 14 Ma (Miozän), wobei sich die Lagerung senkrecht zu den Abkühlungsflächen des Magmas zeigt, die vertikalen Säulen der Ausschlusswand als zum direkten Magmaschlot gehören. Der Nephilinit zeigt ein im Grunde sehr feinkörniges und dichtes Gefüge, erfuhr jedoch durch Wasseraufnahme an der Oberfläche eine Umwandlung und Volumenzunahme, was die dort letztendlich körnig-blasige Struktur bedingt (Sonnenbrennerbasalt). Eine Besonderheit ist der so genannte "Kugelpechstein von Spechtshausen". Das Naturdenkmal rund 300 Meter südlich der Ortschaft Spechtshausen, etwas nordwestlich von Hartha, stellt ein durch vulkanische Extrusion im Oberkarbon (vor 250 bis 300 Millionen Jahren) erstartes Porphyrgestein dar. Bemerkenswert ist dies dahingehend, dass der Aufschluss des tiefreichenden Lavadoms sich nur über wenige Quadratmeter erstreckt und das Glas, trotz seines Alters, keine Entglasungserscheinungen zeigt.




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